Das Waisenhaus (Kino-Film)
Dienstag, den 12. Februar 2008Am Montag war ich wieder in der Sneak. Kaum wurde der Titel des Films - El Orfanato - eingeblendet, hieß es links von mir: “Das ist der Horrorfilm.” Meist machen ja vorher schon ein paar Tipps bzw. Spekulationen die Runde. Nun war es also der spanische Film Das Waisenhaus.
Ich war natürlich mal wieder wenig begeistert. Genau wegen solchen Filmen überlege ich nämlich nicht mehr - oder seltener - in die Sneak zu gehen. Gebannt wartete ich am Anfang darauf, auf was für eine Art von Horror ich mich einstellen darf. Zombies? Massenmörder? Hexen?
Wenn man’s weiß, hilft das ja ein wenig, aber der Film verriet lange nichts. Immer wieder unheimliche Geräusche, ganz fiese Kameraeinstellungen, eine seltsame alte Frau nachts im Garten mit einer Schaufel - aber was um zum Geier ist hier jetzt der/die/das Böse?
Es dauerte länger bis das einigermaßen klar wurde. Schwer zu sagen, was schlimmer war: die Szenen, wo wirklich gruselige Dinge passierten oder die, wo man nur das Gefühl hatte, dass jeden Moment etwas passiert und wo man komische Geräusche hörte - und dann war nichts.
Immerhin zeigt der Film nur einmal, vielleicht zweimal, wirklich etwas Ekelhaftes. Aber Psycho-Horror gibt’s die ganze Zeit. Was ist echt, was Einbildung? Passiert jetzt was oder hat sie nur unnötig Angst?
Als ich dann einigermaßen verstanden hatte, worum es geht, schon zig mal gezuckt hatte und den Kino-Sessel hinuntergerutscht war, dann wuchs so langsam die Neugier etwa auf das Niveau des Gruselns an. Das Ende hat mich schließlich etwas mit dem Film versöhnt.
Spoiler!
Es ist mehr oder weniger happy und der Film ist in der Nachbetrachtung eher weniger Horror, sondern mehr Psycho-Thriller. Die mag ich war auch nicht wirklich, aber sie sind nen Tick höher angesiedelt.
Die Handlung ist rückblickend weniger aufwühlend und dramatisch als es einem während des Films vorkommt. Es ist die Art und Weise wie sie dargestellt wird, insbesondere die Kameraführung hat mich schier aus dem Sessel gehauen.
Spoiler-Ende
Wer auf sowas steht: Kinostart ist am 14. Februar 2008 und auch wenn ich darin fast gestorben bin, er ist ab 12 Jahren freigegeben.
Der Film Das Waisenhaus ist das Regie-Debüt von Juan Antonio Bayona gewesen. Und es wird sicher nicht sein letzter Film gewesen sein. Den englischen Trailer gibt’s bei moviemaze - ganz schön gruselig, muss mich erstmal wieder davon erholen. Auf www.daswaisenhaus.senator.de gibt’s auch nen deutschen Trailer, aber der verrät noch viel mehr als der englische, würde ich echt nicht empfehlen.
Apropos emfehlen, auch bei Grusel-Freunden gibt’s nicht unbedingt eine durchweg positive Filmkritik, sondern eher ein gemischtes Fazit.
Ich wünsch euch ne bessere Unterhaltung als ich sie hatte. Brrr.

Ich wurde ja extra
Aus der Perspektive des Politikers, der mit einer neuen Kriegsstrategie ins Weiße Haus gespült werden möchte (was er natürlich dementiert). Aus der Perspektive von Soldaten, die sich freiwillig gemeldet haben, um etwas für ihr Land zu tun. Aus der Perspektive eines Studenten, der politisch interessiert, inzwischen aber politikverdrossen ist. Aus der Perspektive eines Politik-Professors, der selbst in Vietnam dabei war. Und nicht zuletzt aus der Perspektive einer Journalistin, die sich nach dem 11. September 2001 dazu hat hinreißen lassen, über den “Krieg gegen den Terror” inhaltlich sehr nah an der Propaganda der Regierung zu berichten.
Wobei das - wie bereits gesagt - vielleicht an der falschen Erwartungshaltung lag, die der Trailer in mir aufgebaut hat. Der Kino-Saal war auch alles andere als voll.