Gamer (Kino-Film): viel Action, mieses Ende
5. Januar 2010 um 01:48 UhrVorhin in der Stuttgarter Sneak-Preview lief der Film Gamer – Play or be played. Ich wusste eigentlich nichts über den Film, aber das klang schon mal nach Action. War es auch. Action, Science Fiction und Thriller sind die Genres in die der Film gehört.
Action gab’s dann auch sofort zu Beginn des Films. Man weiß nur eine ganze Weile nicht wirklich warum und was da vor sich geht. Man merkt nur – jetzt spoilere ich ein ganz kleines bisschen – dass der Film irgendwie sehr an einen Ego-Shooter erinnert. Es wird geballert ohne Ende und permanent fliegen Sachen in die Luft. Das alles noch dazu extrem schnell geschnitten.
Nachdem das eine Weile so geht und man schon wissen will, warum die in dem Film die ganze Zeit rumballern, wird man im Kino-Sessel erlöst: Die Story baut sich auf. Ganz vielversprechend eigentlich. Interessantes Konzept. Ohne das Ende zu verraten, spoilere ich den folgenden Absätzen nochmal ein bisschen (wer ohne Spoiler weiterlesen will, springt zu Grundidee von Gamer):
Gamer heißt der Kino-Film, weil der Hauptdarsteller die Hauptperson in einem realen Ego-Shooter namens “Slayers” ist – gesteuert von Menschen für die das Ganze ein Spiel ist für das sie Geld bezahlen. Daher auch der Untertitel Play or be played. Aber die Spielfiguren sind echte Menschen, die real schießen und sterben. Gefängnisinsassen, die so die Möglichkeit haben sollen, sich ihre Freiheit zu erspielen. Die meisten überleben das allerdings nicht lange.
(Beides erinnert ziemlich an den Kino-Film Death Race, wo dieses Konzept als tödliches Autorennen umgesetzt ist.)
Slayers hat in dem Film Gamer übrigens eine Art Vorgänger: “Society”. Dort kann man in einer Art realem Second Life Menschen steuern kann. Allerdings geht’s dabei nicht um’s Töten, sondern mehr um Alltagsdinge, Spaß und Sex. Society spielt aber eher eine Nebenrolle in dem Film. In der Hauptsache geht es bei Gamer um Slayers.
Jedenfalls klang die Grundidee von Gamer damit ja schon mal ganz interessant und nicht unspannend. Dazu noch viel Action, wenn auch so schnell geschnitten, dass man selten mitkam. Allerdings geschahen während der Actionszenen im Film eigentlich auch keine inhaltlich relevanten Dinge, die man nicht verpassen sollte. Durch die schnellen Schnitte fand ich auch die ziemlich extreme Brutalität in dem Film nicht so krass, weil man einfach kaum was davon gesehen hat.
Aber das Ende! Das wird der Mitte des Films einfach nicht gerecht. Jetzt muss ich spoilern, wer den Film also noch sehen möchte, ohne das Ende zu wissen, sollte erst ab dem Absatz Fazit meiner Filmkritik wieder lesen.
Das Ende ist ehrlich gesagt grauenhaft. Bisher zeigte der Film rasante Action und nach der vielen Action am Anfang dann auch ein ganz brauchbares Konzept, das recht vielversprechend klang. Und dann? Dann passiert quasi einfach gar nichts. Um genau zu sein: Der gute Hauptdarsteller (Gerard Butler) geht zum bösen Hauptdarsteller (Michael C. Hall). Er braucht dazu nicht an Wachen vorbei oder sowas. Er geht einfach hin.
Er fällt dann noch kurz auf eine Videoprojektion seiner Tochter rein, trifft auf den Bösewicht, verprügelt kurz etwa zehn tanzende Helfer, die ihn jetzt dann doch angreifen wollen, während der Bösewicht tanzt und singt. Dann der große, große Showdown. Oder sowas ähnliches.
Ehefrau (Amber Valletta) und Tochter sind inzwischen beide dabei. Unser Kino-Held soll nun seine Tochter erstechen, denn der Bösewicht versucht seine Gedanken entsprechend zu steuern (was in der Vergangenheit schon mal dazu geführt hat, dass unser Kino-Held einen Freund erschossen hat). Aber – total tricky – seine Ehefrau sagt “Ich liebe dich”, dadurch wird sein eigener Wille wieder stärker als die fremde Macht in seinem Gehirn.
Dann will er den Bösewicht erstechen, der wehrt sich kurz erfolgreich durch die Gehirnsteuerung dagegen, was aber nur so lange funktioniert bis unser Held sagt: “Stell dir vor, ich ramm dir jetzt das Messer in den Bauch.” Schon passiert es natürlich auch und der Film ist zu Ende. Fast. Die ganzen Helfer des Bösewichts stehen alle auf und gehen. Unser Kino-Held bittet dann noch kurz einen von ihnen, das Computersystem über das die ganzen Menschen in Society und Slayers gesteuert werden können, abzuschalten. Achselzuckend schaltet er ab. Interessiert sich ja auch sonst niemand für die Weltherrschaft. Natürlich.
Fazit meiner Filmkritik: Viel stumpfe Action, extrem schnelle Schnitte, interessanter Story-Ansatz, bis kurz nach der Mitte recht unterhaltsam. Das Ende grauenhaft simpel.
Ich fand’s auch nicht so gut wie sehr mal wieder die Onliner-Klischees breitgetreten werden. Natürlich steuern dicke, ekelhafte Männer die hübschen Frauen, die mit anderen Männern dann dort anbändeln. Klar. Aber das nur am Rande und das stört sicher auch nur die, die eben selbst schon in solchen Welten unterwegs waren und sich damit eben nicht als jemand anders ausgeben und eine andere Identität ausleben.
Ach ja, der Soundtrack ist gut. Läuft zum Teil auch im Hintergrund auf der offiziellen Website des Kinofilms. Daher hör ich den Soundtrack jetzt beim Schreiben auch die ganze Zeit.
Kinostart in Deutschland ist am 7. Januar 2010, der Film kommt also übermorgen in die deutschen Kinos. Die Altersfreigabe ist ab 18, was aber weniger an dem bisschen Soft-Erotik liegt, sondern an der Gewaltdarstellung. Den deutschen Trailer findet ihr hier. Der ganze Film dauert im Kino 95 Minuten.
Eure Meinungen zum Film gerne in den Kommentaren. Wieso denk ich dauernd, dass der Film The Gamer heißt?
Der Beitrag Gamer (Kino-Film): viel Action, mieses Ende wurde am Dienstag, den 5. Januar 2010 um 01:48 Uhr veröffentlicht und unter Filme, Kino kategorisiert. Du kannst die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0-Feed oder per E-Mail abonnieren. Du kannst zu diesem Eintrag gerne einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
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