Death Proof – Todsicher (Filmkritik)
17. Juli 2007 um 00:16 UhrZeit für eine Filmkritik, denn ich war wieder in der montäglichen Sneak Preview im Metropol in Stuttgart. Der Tipp, der am Eingang vor der Kino-Kasse rumging war Death Proof von Quentin Tarantino. Der Tipp erwies sich als todsicher – der Film kam. Death Proof bzw. auf deutsch: Death Proof – Todsicher.
Das halbe Kino klatschte bereits als (vielen) klar wurde, dass dieser Film nun kommt. Etwa dreiviertel des Kinos klatschte als ganz klar war, dass dieser Film kommt. Auf der Kino-Leinwand stand nämlich: Death Proof.
Ich bin jemand, der nicht groß auf Regisseure von Filmen achtet. Ich wusste zwar, dass Quentin Tarantino für viele etwas besonderes ist und ganz besondere Filme macht, aber ich hatte keine Ahnung, in welcher Hinsicht.
Jetzt kommt ein Spoiler. Wer also die Handlung des Films nicht erzählt bekommen möchte, liest besser beim Fazit weiter. Ein paar Mädels, die sich ziemlich oft anzicken, gerne ihre Füße aus dem Auto strecken und heiß auf Party und Männer sind, feiern und quatschen über ihre Männergeschichten. Stuntman Mike (Kurt Russell) sitzt in der gleichen Kneipe. Er macht anfangs einen etwas unheimlichen Eindruck, was vor allem an seinem vernarbten Erscheinungsbild und seinem Auto liegt.
Doch wenn man ihn etwas näher kennen lernt, macht er einen sehr sympathischen Eindruck. Nicht aufdringlich und wissend, dass sein Äußeres anderen oft Angst einflößt – einfach vertrauenserweckend, wenn auch etwas geheimnisvoll. Bis dahin hat man bzw. hatte ich keine Ahnung, worauf der Film hinausläuft.
Als Stuntman Mike sich dann bereiterklärt die Blondine Pam (die nicht zu der Gruppe gehörte) nach Hause zu bringen, ahnte ich auch nicht wirklich Böses, aber ich bekam ein etwas mulmiges Gefühl. Allerdings machte der Typ ja einen sehr sympathischen Eindruck, also ließ ich mich nicht vom komischen Bauchgefühl beeindrucken.
Als er dann seinen Beifahrersitz präsentierte, der eigentlich nur ein Stück Sitzmetall war und zudem eine getrennte Kabine vom Fahrersitz darstellte, fand ich es noch einfach witzig, dass die Blondine etwas pikiert war. Als er etwas später ganz bewusst mit seinem Todesauto (todsicher – aber nur für den Fahrer) so heftig durch die Gegend fuhr, dass Pam in ihrer Kabine permanent extrem gegen die Scheibe knallte, fand ich es nicht mehr so lustig und auch mir wurde dann definitiv klar, dass Stuntman Mike nicht so wirklich als Sympathieträger geeignet war.
Als er dann mit der inzwischen schwer verletzten Blondine Pam auf dem Beifahrersitz und mit ausgeschaltetem Scheinwerferlicht frontal auf das Auto der Mädels-Clique drauffuhr, fand ich es nicht mehr lustig. Alle tot – außer ihm in seinem Stuntman-Auto. Das war ja todsicher – für den Fahrer.
Da fand ich den Film dann erstmal Scheiße. Haben mich reingelegt und den Sympathieträger (die Mädels waren dazu nicht wirklich geeignet) zum Bösewicht gemacht. Außerdem haben sie die Unfallszene mehrmals gezeigt, damit man auch bei jedem Unfallopfer schön sehen kann, wie es auseinanderfliegt. Bäh!
Im Krankenhaus kommt sogar ein Sheriff auf die Theorie, dass er den “Unfall” absichtlich herbeigeführt hat. Da er aber lieber nicht seine Freizeit damit verschwenden möchte und ohnehin keinerlei Beweise hat, unternimmt er nichts.
Gut ein Jahr später spielen sich ähnliche Szenen ab. Wieder gucken hübsche Frauenfüße aus einem Auto. Wieder lässt Stuntman Mike das Gas seines Autos spielen und macht dann Jagd auf die Mädchen – die im übrigen gerade ohnehin ziemlich gewagte bzw. bescheuerte Stunts hinlegen. Zwei von ihnen sind nämlich Stuntfrauen.
Nach einer hitzigen und sehr spannenden rasanten Verfolgungsjagd unter denen beide Autos natürlich ordentlich leiden, bekommt Death Proof eine heftige Wendung. Nachdem alle Frauen wieder im Auto sind und keine mehr auf dem Auto rumhampelt, drehen sie den Spieß um. Stuntman Mike wird vom Jäger zum Gejagten.
Da fand ich den Film dann wieder gut, jedenfalls viel besser.
Erst wird er – der Killer – angeschossen und dann wird er – der Todesfahrer – von den Mädels verfolgt. Ganz am Ende schaffen sie es, sein Auto zu Fall zu bringen. Sie zerren ihn aus seinem Muscle-Car und verprügeln ihn ziemlich heftig.
Da war der Film zu Ende. Als ich dann gerade überlegte, ob er eigentlich noch lebt und recht zufrieden feststellte, dass mir da ein gewisser Interpretationsspielraum bleibt, den ich dann zum Positiven, also zum Friedvollen, genutzt hätte, ging der Film doch noch ein paar Sekunden weiter. Da war mein Interpretationsspielraum dann weg.
Fazit: Wer Autos mag, kommt in dem Film voll auf seine Kosten. Ein schwarzes Muscle-Car, ein weißer Dodge Challenger, haufenweise Motor-Sounds und rasante Verfolgungsjagden. Auch Liebhaber von Frauenbeinen und insbesondere Frauenfüßen kommen auf ihre Kosten. Gewalt sollte man auch mögen oder zumindest ertragen (ersatzweise bei manchen Szenen die Hände vors Gesicht halten, um kein Blut abzubekommen).
Insgesamt auf jeden Fall spannend und voller Action. Es gibt auch viele lustige Szenen und immer wieder gute Sprüche (mein Lieblingsspruch: “Der Drops ist gelutscht.”), so dass auch die Komik nicht zu kurz kommt. Ein Hauch Erotik ist auch drin, aber wirklich nur ein Hauch (außer für Fußfetischisten). Trotz aller Kritik, die ich an dem Film habe (vor allem ist er mir einfach zu gewalttätig) ist er definitiv sehr gut gemacht. Schauspielerische Bestleistung von Kurt Russell, toller Schnitt, nette Effekte (z.B. Wechsel von Schwarz-Weiß auf Farbe in einem sehr genialen Moment).
So lautet das Fazit von filmstarts.de dann auch:
Regie, Drehbuch, Kamera: Quentin Tarantino. Wer nach diesen einfachen Fakten eine Kinokarte löst, ist an der richtigen Adresse. Aber Vorsicht: „Death Proof“ ist absolut nicht mainstreamtauglich (!), sondern vielmehr ein stilistisches Kunstwerk für Cineasten, die Zitate, Referenzen und Innovationen zu goutieren wissen. Wer einen straighten Actionfilm erwartet, wird sich vermutlich an den Rand der Bewusstlosigkeit langweilen…
Aber was schreib ich groß rum? Fans von Quentin Tarantino werden sich den Film so oder so anschauen und ihn vermutlich lieben. Ich fand Death Proof ganz nett, vor allem als die Mädels dann das Kommando übernommen haben und Kurt Russell jagten. Sehr skurril jedenfalls das Ganze und für meinen Geschmack zu brutal.
Wer sich mal den Trailer ansehen möchte (inkl. Teilen der Schlussszene), der sollte auf der offiziellen Seite von Death Proof – Todsicher vorbeischauen. Am 19. Juli 2007 startet der Film dann regulär in den Kinos. Todsicher.
Der Beitrag Death Proof – Todsicher (Filmkritik) wurde am Dienstag, den 17. Juli 2007 um 00:16 Uhr veröffentlicht und unter Filme, Kino kategorisiert. Du kannst die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0-Feed oder per E-Mail abonnieren. Du kannst zu diesem Eintrag gerne einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
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